Volksschule Ahorntal

Verhaltensauffälligkeiten

Home
Nach oben
Beratung / Psychologischer Dienst
Einschulung
Prüfungsangst
Verhaltensauffälligkeiten
ADS
Gossensprache
Hochbegabung
Medienkompetenz
Geschwister
Legasthenie
Dyskalkulie
Übertritt
Schulwahl
Buchtipps

Verhaltensauffälligkeiten

 - wie Kinder ihren Selbstwert schützen

Liebe Eltern,

vielleicht haben Sie auch schon einmal erlebt, dass Ihr Kind auf die freundliche Frage, wie es denn heute in der Schule gewesen sei, mit den Schultern zuckte oder nur sehr einsilbig antwortete. Vielleicht haben Sie lange gesuchte Probearbeiten unter der Matratze gefunden oder sind Sie am Nachmittag mit Ihrem Schulkind seit Wochen in einen Hausaufgabenkampf verwickelt. Oft spricht dann der Lehrer oder die Lehrerin von Verhaltensauffälligkeiten, und Sie selbst fühlen sich schuldig, haben doch all' ihre Bemühungen, all' Ihre Zuwendung nicht ausgereicht, um aus Ihrem Kind einen angepassten und erfolgreichen Schüler zu machen.

Verhaltensauffälligkeiten sind Notsignale

Kein Kind ist ohne Grund, einfach "zu Fleiß" verhaltensauffällig. Auch wenn diese Kinder oft den Eindruck erwecken als sei Schule ihnen "scheißegal". Meist sind solche Handlungen Notsignale, mit denen Kinder verzweifelt versuchen, wenigstens kurzfristig ihren Selbstwert zu schützen. 

Von der Sinnhaftigkeit des Anstrengungsverzichts

Schule ist ein Ort, der vielfältigen Stress für Kinder bereithält: Sie müssen in einer bestimmten Zeit Leistung erbringen und genügend Kontakte knüpfen, um einen Platz in der Klassengruppe zu finden. Können Kinder diesen Anforderungen nicht entsprechen, erleiden sie eine gefährliche Bedrohung ihrer Identität. Kurzfristig betrachtet ist ihr auffälliges Verhalten durchaus sinnvoll. Es ist sozusagen das Beste, was der seelische Organismus bereithält, um die Balance zwischen der Person des Kindes und den Aufgaben in der Schule wieder herzustellen. Wenn Ihr Kind seine Schulaufgaben versteckt, muss es zur eigenen Scham nicht auch noch Ihre Enttäuschung ertragen. Wenn es keine Hausaufgaben macht, braucht es sich nicht auch noch zu Hause mit dem eigenen Versagen zu konfrontieren. Die freie Zeit dagegen mit Erfolgen im Fußball oder beim Spielen mit Freundinnen zu verbringen, nährt das bedrohte Selbst. Was aber ist das Selbst?

Was die Entwicklungspsychologie sagt

Die zentrale Instanz unserer Persönlichkeit wird in der Psychologie als das Selbst bezeichnet. Dieses Selbst steuert die Persönlichkeit und bestimmt, wie wir die Ereignisse wahrnehmen und bewerten, welche Gefühle in uns ausgelöst werden und wie wir handeln. Diese Kommandobrücke hilft uns, über die gesamte Lebensspanne unsere Identität zu wahren. Wie unser Selbstbild schließlich beschaffen ist, kann unsere Entwicklung befördern aber auch hemmen. Das Fatale im zweiten Fall ist, dass Kinder wie Erwachsene sich zur Aufrechterhaltung ihrer Identität schließlich so verhalten, wie ihr Selbstbild es ihnen vorgibt. Glaubt ein Kind, dass es einen Defekt hat, weil ihm in der Schule manche Aufgaben äußerst schwer fallen, dann zieht der Mark, zieht die Melanie in einem ersten Impuls es vor, lieber das Kind mit dem Defekt zu sein als etwas an der Situation zu verändern. Mit dieser Botschaft aus ihrem Selbstbild sind die Kinder wenigstens wohl vertraut.

Von den Befriedigungen lebensnotwendiger Bedürfnisse

Wir Menschen kennen eine Reihe lebensnotwendiger Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen, damit wir uns entwickeln und nicht krank werden. Auch durch diese theoretische Brille gesehen, kann Anstren- gungsverzicht zunächst sinnvoll sein. Welche Bedürfnisse sind gemeint? Da gibt es die Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit. Dann die beiden Hauptmotive, das nach Bindung und Liebe und das nach Autonomie und Selbst-etwas-bewirken; und schließlich der Wunsch, in meinen Leistungen und Aktionen anerkannt zu werden.

Versagt ein Kind in der Schule, erhält es keine Anerkennung mehr, und muss es fürchten, die Liebe seiner Eltern und Lehrer zu verlieren, dann ist das "So-tun-als-ob-alles-in-Ordnung-wäre" eine sehr vernünftige Reaktion. Genauso sinnvoll ist es aber auch, sich die Anerkennung anderswo zu holen: auf dem Fußballplatz, beim Spielen mit Freundinnen.

Sie werden sicher erkennen, wie falsch es ist, einem Kind, das in der Schule versagt, auch noch solche wichtigen Erfolgsfelder zu streichen.

Was können Eltern tun?

(1) Der erste Schritt ist immer das mutige und einfühlsame Öffnen der Tür, damit Scham und Verzweiflung mitgeteilt und im wahrsten Sinne des Wortes geteilt werden können. Mutig ist dieser Schritt deshalb, weil er an Ihre eigenen Ängste als Vater oder als Mutter rühren kann.

(2) Hilfreich ist auch, wenn Sie anschließend von eigenen Versagens-Erfahrungen in Ihrer Schulzeit erzählen und wie Sie sich damals verhalten haben und was Ihnen geholfen hat.  Mit solchen Erinnerungen geben Sie Ihrem Kind die Botschaft: Ich verstehe Dich!

(3) Erst jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, pragmatisch nach einer Lösung zu suchen, wobei Schulberatungsstellen wertvolle Hilfe leisten: Wie sieht das intellektuelle Begabungsprofil meines Kindes aus? Wie groß sind die Kenntnislücken und wie können sie geschlossen werden? Wie verletzt ist die Psyche meines Kindes?

 

Autorinnen:

Katharina Schlamp / Dr. Christine Kaniak-Urban

s.a.: Dr. Kaniak-Urban/Schlamp 2000: Mit Spaß und Erfolg durch die Grundschule, Urania-Ravensburger-Verlag Berlin

 
Home Wir über uns Schulleben Kinderseite Inhaltsverzeichnis