Volksschule Ahorntal

Gossensprache

Home
Nach oben
Beratung / Psychologischer Dienst
Einschulung
Prüfungsangst
Verhaltensauffälligkeiten
ADS
Gossensprache
Hochbegabung
Medienkompetenz
Geschwister
Legasthenie
Dyskalkulie
Übertritt
Schulwahl
Buchtipps

Gossensprache und soziale Kompetenz

Liebe Eltern,

vielleicht haben Sie sich schon einmal in einer ähnlichen Situation befunden wie Frau Bauer, die Mutter eines siebenjährigen Erstklässlers.

Ihr Sohn Maxi kam eines Tages aus der Schule nach Hause und statt des üblichen "Hallo Mama!" und "Mach’ ich schon!" begrüßte er sie mit "Fick dich ins Knie!" als sie ihn bat, die Schultasche nach oben in sein Zimmer zu tragen. Frau Bauer war sicher: Diesen Ausdruck hatte sie zu Hause nie benutzt! Nachdem sich ihr erster Schock gelegt hatte, blieb nur Ratlosigkeit. Was tun, wenn Kinder "Schweinewörter" benutzen? Sollte sie ihrem Ärger Luft machen? Sollte sie ihn verhören und zur Reden stellen? Oder war es richtig, einfach mit Nachdruck ein Verbot auszusprechen?

Der lautstarke Gebrauch von obszönen Ausdrücken wie Arschficker, schwule Sau, blöde Nutte usw. oder auch der offene Gebrauch von Zeichen wie des "Fick Fingers" als Drohgebärde ist heute in der Schule ein Phänomen, das Lehrer und Eltern zunehmend hilflos macht. Einfache Verbote im Sinne einer Aussperrung der Fäkaliensprache sind wenig wirkungsvoll ebenso wie Schimpfkanonaden, die das Kind heruntersetzen und die Beziehung gefährden. Inquisitorische Fragen dagegen: "Woher hast du das?" drängen Kinder in eine Verteidigungshaltung und machen sie schließlich unerreichbar für pädagogisches Handeln.

Um was geht es den kleinen Rebellen?

Kraftausdrücke faszinieren Kinder, allen voran die Jungen, weil sich mit ihrer Hilfe hervorragend Grenzen und Normen austesten lassen: Wie klar und sicher beziehen die Erwachsenen Position? Wie souverän ist mein Lehrer, meine Lehrerin, sind meine Eltern? Wie viel Verständnis zeigen sie? Gibt es bei denen auch so etwas wie Humor? Und wagen es diese Erwachsenen auch wirklich, Farbe zu bekennen? Außerdem sind die Wörter vor allem bei den Jungen auch ein sicheres Kampfmittel um die ersten Rangplätze in der sozialen Hierarchie der Klassenkameraden.

Zwar ist die Gossensprache voller sexueller Inhalte, und die Vermutung liegt nahe, dass die filmkonsumierenden Kinder einfach mehr Aufklärung wollen. Natürlich sind Körperlichkeit, Intimität und Geschlechtlichkeit ein ungeheuer spannendes aber auch verwirrendes Feld für Kinder. Dennoch ist auch nach einfühlsamer Aufklärung das Begreifen der Kinder über die Sexualität der Erwachsenen immer nur ein Annäherend-Begreifen. Vorrangig geht es den Kindern nicht so sehr um die Inhalte der "Schweinewörter“", die sie oft gar nicht kennen, sondern es geht ihnen um die Reaktion allen voran der Erwachsenen.

Was Eltern und Lehrer tun können

Die Grundregel des pädagogischen Handelns lautet: Mit Kraftausdrücken werden nicht nur Grenzen getestet, es werden auch andere Menschen herabgesetzt, entwürdigt und verletzt.

Ignorieren

Hört man den Kraftausdruck vom Kind zum ersten Mal, kann man ihn einfach ignorieren. Das Kind lernt dann: Was beim Freund gewirkt hat, kommt bei meinem Lehrer, meiner Lehrerin, kommt bei meinen Eltern nicht an. Wenn aber über die “Schweinewörter“ die Erziehungsbeziehung infrage gestellt wird, muss man sofort handeln. Dasselbe gilt, wenn durch Überhören das Verhalten des Kindes sich nicht verändert. Dann geht es dem Kind vorrangig um das Austesten der Grenze, die es immer wieder einfordert, bis es endlich eine Reaktion erfährt.

Stopp: Andere werden verletzt!

Der Bezug auf die Norm: Das sagt man nicht! genügt oft nicht und regt die kindliche Phantasie eher an. Dann müssen die Erwachsenen deutlich machen, dass solche Worte verletzen: "Michael, ich fühle mich verletzt, wenn du sagst: Fick dich ins Knie!" oder: "Die Anna ist verletzt, wenn du sie als Ficksau beschimpfst. Ich möchte nicht, dass wir uns hier weh tun!"

Aufklärung über die Inhalte

Vielen Kindern genügt der Hinweis auf die Verletzung und Herabsetzung nicht. Sie wollen verstehen, warum das Wort weh tut. Dann kann der Lehrer, kann die Lehrerin, nach Absprache mit den Eltern zum Beispiel beim Elternabend deutlich machen, was das Wort bedeutet: "Ficken ist ein nicht sehr schönes Wort für zärtlich mit einem Mann oder einer Frau kuscheln und schlafen, die man sehr lieb hat. Eine Ficksau ist jemand, der gar nicht darauf achtet, ob er einen anderen Menschen lieb hat, sondern wie die Tiere mit jedem kuschelt und schläft, egal ob er ihn/sie lieb hat oder nicht. Außerdem ist es einer Ficksau ziemlich gleichgültig, ob jemand dabei zusieht oder nicht."  

Die Kraft der Rituale

Eine gute Wirkung haben zum Abschluss des pädagogischen Handelns Rituale, z.B. eine “Schweinwörter-Zeit“: Einmal in der Woche für 5 bis 10 Minuten Fäkalienausdrücke erlauben oder diese auf Zettel schreiben lassen und in einem Kasten versenken.

 

Autorinnen:

Katharina Schlamp / Dr. Christine Kaniak-Urban

s.a.: Dr. Kaniak-Urban/Schlamp 2000: Mit Spaß und Erfolg durch die Grundschule, Urania-Ravensburger-Verlag Berlin

 

Home Wir über uns Schulleben Kinderseite Inhaltsverzeichnis